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Donnerstag, 22. Januar 2015

Dieter Schlesak Gedichte in meinem Siebenbürgischen Dialekt


Dieter Schlesak GEDICHTE IN MEINEM SIEBENBÜRGISCHEN DIALEKT

Was durch uns ging
war in uns nicht enthalten
und was wir werden sollten
kam nicht darauf an

Die Messen die du vorschlugst waren etwas
das  ich nicht kannte
und meine Messen kamen nur am Marktplatz an
Der Clown war da
und schlug die Purzelbäume

Watt durch aas geng
Wor än aas nett enthalden
Und watt mir werden suhlen
Kam nett deraf un
De Meessen dä tea vurschlachst woren äst
Daat ech net kaennt
Und menj Meessen kam nor um Morktplatz un
Der Clown wor hä
Und schlech senj Purzelbuum

Die Ohrfeig die bekam dann niemand mehr
und ahnte nur dass sich am Oh
vorbei die Schläge kannten

De Ihrfech dä bekam dron nemest mie
Doch in den Händen gab es keine Zeichen mehr...
Und  ahnt nor datt sich um Iihr
Verbä de Schlääch kaonnten

Wenn Dinge sich an Ordnung halten
die hier voran geht
und mich sauber hält
(die Verse gewaschen wie der Tag
mit Sinn)
dann ist mir eng ein Teil
der sich zur Schranke zählt
die zugeht wenn die Zahl vergeht

Wonn Danj sich droon un Ihrdnung haolden
Dä hä verun gieht
Und mech suuwer hält
( de Wersch geweeschen wä der Daoch
Mät Sänn)
Dron äs mer oanj en Diel
Die sech zer Schraonk zielt
Dä zagieht wonn de Zohl vergiet


Das Schwergewicht das manchmal  überschäumt
ist anmutig beim Tanz mit bläulichen Menhiren
die voll bis an den Rand der schieren Kopfstände
das Einmaleins erhalten kann
                               mit eingeschleppt banalen Alltags-Viren.


Det Schwergewicht dat munchmohl iwerschämmt
Äs  dintzerösch beim Danz mät blohlichen Menihren
Dä vooll bäs un den Rand der scheren Hieftstaand
Det Ihmohlient erhalden kaonn
                               Mät ägeschlaapt banalen Aolldachsviren.
Det Schweergewicht daot munchmohl iwerschwämmt

                                                                                                                             III


Es hält sich auf
Es hellt sich auf
bei Nacht ist alles kürbisklar
und blüht und blüht so hell
bis wir die Niemandsländer
überall erkennen können




Et hellt sich af
Et hällt sich af
Bä Noocht äs alles kerbeskloor
Und bläht esi  häll
Bäs mer de Nemestländer
Iwerall erkennen kennen.

Die Steigerung vom Vater Land zum Mutter Land
ins Niemandsland.
De Stiejerung vum Vother Land zem Mother Land
Änd Nemestland
*

Es wird ein Wesen sein
es wird ein Stein sein
und  alles wieder gut

Et wird en Wiesen senj
Et wird en Stien senj
Uch alles wedder gaat.

Es wird ein Wesen sein
es wird ein Stein sein
bis dass der Herr
bis dass des Himmels Wasser große
Landschaft dann bei Nirgends
über mir sich auftut.

Et wird en Wiesen senj
Et wird en Stien senj
Bäs daot der Härr
                Bäs daot des Hemmels Waosser griesz
             Landscheft drohn bä Näckestwo
Iwer mir sech  afdieet.


Die Stimme zerbrochen
die kleine Angst sitzt
gleich links an der Brustwarze
es klingt hohl wenn ich
meine Wirklichkeit abklopfe
Das Herz geht weiter
weit von mir entfernt
Es ist nicht was ich sein könnte

De Stämm zerbroochen
De klien Aongst sätzt
Glech länks un der Brastwoorz
Et klanjt hohl wonn ech
Menj Wirklichket oowkloopen
Det Härz gieht wetter
Wegt vun mir entfernt
Et äs net watt ech senj keent

Die Stimme zerbrochen
wer ist schuld daran
De Stämm zerbroochen
Wie äs schuld derun.

Der Fuhrmann bringt keine
Pflastersteine mehr in den Hof
der Fuhrmann ist durch mich gestorben
Wie soll ich nun gehen
wie soll ich sprechen?

Der Fahrmaan broanjt nichen
Pflasterstien mie än den Hoof
Der Fahrmaan äs durch mech gestorwen
Wä saohl ech na gohn
Wä saohl ech  nah spreechen?

Du bist es wieder die mich rief
was soll ich hier mit dir
wo alles tief am Grunde
schon / und nicht mehr ist
weil ich nicht bin
Mein Wort geschickt im Okzident
geht langsam vor die Hunde.

Tea bäst et wedder dä mech reff
Watt saol ech hä mät dir
Woo aolles deff äm Grangt
Schien äs/ uch nemmi äs
Well ech net bän
Menj Wurt geschäckt äm Okzident
Gieht laonzem vur de Hangt,


*

Wie überqueren wir uns
Hier lässt sich nichts finden
Nichts auffinden nur die lichte Quere
wo wir ohne Hundeworte
wie Kapital und sozial
medial und mental
rektal und ideal nicht
auskommen könnten.

Wä iwerquieren mir aas
Hä lesst sich näst faongden
Näst affanjden nor de lächt Quere
Wo mer ohne Heangdwierter
Wä kapital uch sozial
Medial uch mental
Rektal uch ideal net
Auskun kennen.






                    AUSGEWÄHLTE GEDICHTE
                                
                                                  1968-2013
                             Mit Übersetzung ins Siebenbürgisch-Sächsische



                        I   LYRIKARCHÄOLOGIE.  
                                      Gedichte aus den siebziger Jahren
                                      Gedichter aus den siwenzijer Johren
Ich entdeckte sie wieder in meinen alten Tagebüchern. Und diese Exilgedichte nach dem ersten Schock und meiner Flucht aus Deutschland nach Italien, schienen mir eine Rarität in meinem Werk zu sein. Schon damals schrieb ich es so auf:
“Sie haben eine tragische Moralität in sich (Ethos) – also eine uneinlösbare und unmögliche  Sehnsucht nach jenem Ort, wohin wir hin gehören. Und sie leben so, als  gäbe es tatsächlich  noch etwas, woran es sich, auch in dieser unerträglichen Leere des Aus-Gewiesenen, noch glauben ließe, weil sie ihm ihre unverlorene Erinnerung vorspielen.

Ech entdaakt se wedder än menjen alden Daochbächern. Und des Exilgedichter noh dem irschten Schock und der Fleacht aus Detschland noh Italien, aolles kam mer fuhr alz wer et en Rarität än menjem Werk. Schien damolz schriw ech et esi af:  „Se hun en tragesch Moraliät än sech (Ethos) – alsi en  netänliesbor uch amöglich Siehnsucht noh  genem Uurt, wor mer gehieren. Und se liewen esi alz ow et totsächlich noch äst giewen werd , worun et sich, uch än deser anerdrächlichen Lädichket des Ausgewisensenjs em noch gliewen keent, well se mer averlierbor Erännerung vurspillen.

Lass mich ein, hier kommst du nicht mehr raus, du trägst den Absatz mitten auf der Stirn.
Die Frage lässt sich sehr genau abzählen,  wie jenen Reim, den ich auf dein Gedächtnis mach.”
1974

Loss mech ännen kun, hä kist tea nemmi eraus, tea driehst den Awsatz mätten af der Stern. De Frooch less sich gena afzielen, wä  den Reim, den ech af denj Gedächtnes mauchen.

ES GEHT ZU ENDE WAS BISHER WAR,
und die Stimmen sind fern wie morgens um fünf,
wir werden uns nie mehr wiedersehen,
wir werden vergessen.

Man siehts an der Luft, an den Augen der Leute,
überall rollen sie die Erinnerungen ein,
heut sah ich Fotos der siebziger Jahre, da waren
wir jung und alles schien offen,
du stiegst in den fahrenden Zug,
der kam nie an,
und fuhr ab nur zum Schein.

ET GIEHT ZE ANJD WAT BÄSHIER WOR,
und de Stämmen klanjen fern wä um Morjen äm fauw,
mer werden es näkest mie weddersähn,
mer werden vergeessen.

Em seht et  un der Lafft, un den Uuchen der Legt
Iwerall rolle se de Erännerungen  än,
hegt saoh ech Fotos der  siwenzijer Johr, do woren
mer jang und aolles schien oofen.
Tea stichst än den fohrenden Zach än,
die kam näckes mie un,
und  dampft ow nor zem Schenj.

Alt sind unsere Gefühle geworden.
Und oft ist es kalt und du spürst nur Gewohnheit,
als wäre über den Augen ein Schleier,
und wir gehen mit Abwesendem um.

In allem spür ich schon das Vergessen,
und die Leute sehn mich gar nicht mehr an;
so denk ich: vielleicht bin ich plötzlich gestorben
und hab`s nicht bemerkt, bin unsichtbar geworden.

Aolt senj aas Gefähler gewaorden
Und oft äs et kaolt und tea spirst nor Gewunhiet,
alz wer iwer aasen Uuchgen en Schleier
und mer gon nor mät Oofwiesendem äm.

Än allem spieren  ech schien det Vergeessen,
und de Legt sän mech gor nemi un;
ech dinken, viellecht bän ech plötzlich gestorwen
und hun et net bemerkt, bän nor asichtbor geworden.

Es ist nicht nur die Liebe die jetzt vergeht,
es ist nicht nur Eiszeit der Sinne, es liegt
ein Stillstand um uns in der Luft, der uns Angst macht
und uns den Atem verschlägt.

Et äs net nor de Läw dä na vergieht,
et äs net nor Eiszegt der Sänn, et laot
en Ställstand äm aas än der Lafft, die aas Aongst macht
und aas den Odem verschlieht.

Denn es geht zu Ende was bisher war,
und die Stimmen sind fern wie morgens um fünf,
wir werden uns nicht mehr wiedersehen,
wir werden vergessen am Leben zu sein.    

Denn et gieht zu Aenjt watt bäshier wor,
und de Stämmen senj fern wie um Morjen äm fauw,
mer werden as nemmi weddersähn
mer werden vergeessen um Liewen ze senj.



Ostwest Flug. Ein Ende
Ostewestfleach, En Aonjt

In der Boing mit den Vögeln
aus gesetzt ausersehen
als ob es sich erkennen ließe
was im Flug zurück bleibt
im Vergehen

Än  der Boing mät den Vijeln
Ausgesaatzt ausersähn
Alz of et sech erkennen lossen wird
Wat äm Fleach zeräck bleiwt
Äm Vergohn-

Und lassen die Rückkehr
irreversibel / als zweiten Satz
der Thermodynamik  ein Nie spielen
dass niemand mehr an der Luke
etwas verspricht beim gewohnten hinaus Sehen
bei Zeitung und Kaffee.

Und lossen de Räkkiehr
Irreversibel/ alz zweeten Satz
Der Thermodynamik en Näckest spillen
Datt nemest mie un der Luk
Äs versprächt bäm gewunten Enaussähn
Bä Zedung uch Kaffee.

Wo hast du dich hinausgestreut
ohne Kampf ohne Freud
über alle deine Sinne hinaus
in die Luft
und ziemlich an deiner Schwere vorbei
ohne dich blass als Toten zu sehn.
Die können ja alle in den Himmeln
gut fliegen.


Wo hoost tea dech noh aussen gestraout
Ohne Kampf ohne Froad
Iwer all denj Sänn  ewech
Än de Lafft
Und zemlich un denjer Schwer verbä
Ohne dech blass alz Dieden ze sähn
Dä kennen jo alle gaat än den Hemml Flejen.


Wo lässt du dich liegen
mit Kind und Kegel

zu Fuß über alle Berge gegangen
und doch immer wieder zurück
nie von der Stelle bewegt
wie das Rätsel das mir die Binde hält
vor Augen der Berg
und du bist ja Hinüber...

Wo lesst tea dech lauen
Mät Känjd uch Kiejel

Ze Foss iwer alle Bärch gegangen
Und doch änjden wedder zeräck
Näckest vun der ställ bewiecht
Wä det Rätsel daat mer de Banjd hält
Vur Uuchen der Bärch
Und tea bäst joh henniwer



Bei längst Vergangenem so auch:
krank wie ich meine?
Die Frage hält sich fest an dein Wort
Kind ohne Laube
jetzt wurde
dein Herkommen  fertig gemacht
und sag wann hast du den Boden
sicher und fußfrei noch vor
Im Klingen des Nie.


Bä längst Vergangenem si uch
Krank wä ech mienen?
De Froch hält sich fest un denj Wuurd
Känjd ohne Lauw
Na woord
Denj Hierkunft fertich gemaocht
Und soh wonni host tea den Badden
Sächer uch fessfroah nooch vuur
Äm Klanjen des Näckestmiewedder.



Der Anfang wie er sich immer verfing

Aus Ahnentafeln gebaut
und Hakenkreuzen
kam die Welt auf mich zu
und ließ mich teilhaben
am Ticken der leisen der deutsch
vergoldeten Bomben

Der Ufang wä e sich änjden verfeng

Aus Ahnentoofeln gebaat
Und aus Hackenkretzen
Si kam de Wält af mech za
Und less mech dielhun
Um Ticken der liesen der detsch
Verguldeten Bomben


Die Schuljahre waren voller Bilder
und durchzogen von schwarzen Böden
und deutsche Eichen in mir und so
zu sich gekommen
in gotischer Schrift

Mücken kamen auf die Oberlippe
und alle Wege sammelten sich als Scheitel
so gerade war diese Welt
dass sich andere Gedanken wie
Streichholzgroßmütter verkrümmen

De Schieljohr woren vuller Belder
Und durchzuchgen vun schwarzen Bedden
und deutsche Eichen in mir und so
zu sich gekommen
in gotischer Schrift

Uch detsch Iichen än mir
Und esi za sech gekun
Än gotescher Schräft
Mäcken kamen af de Iwerläpp
Und alle Wiech summelten sech alz Scheitel
Datt sech ander Gedanken wä
Fackelchengrissmetter krämmem


Im Kopf begann die ernste Leere
                                               groß zu wachsen.
Äm Hievt feng un de ernst Ledichket
                                               Griesz ze woossen.


Elegie bei Magdalenas Ausreise
Elegie bä der Ausries vun Magdalena

Der Postbote bringt dich nie wieder
es werden andere Marken auf den Briefen kleben
kein Zeuge mehr erkennt dort unsere Zeiten
die nur nach innen offen
dort geblieben sind
Doch uns gibt es nicht mehr


Der Bräfdräjer branjd dech näckest mie wedder
Et werden aonder Bräfmarken af den Bräfen kliewen
Und nichen Zech mie erkennt do aas Zegden
Dä nor no ännen oofen
Derhiem gebliwen senj
Doch aas git et nemmie

Es ist als ob es auch Argeş  nicht mehr gäbe
und wie ein Übermaß an Rückzug
deine letzte Reise wäre
Die nicht mehr anhält

Et äs alz ow et uch Argeş  nemmi gäw
Und wä en Iwwermoosz un Räckzach
Denj leetzt Ries wer
Dä nemmi unhält

Wir sind weit weg
von uns gezogen
einen Steinwurf weit
der uns getötet hat.

Mir senj  fär eweech
Vun aas ewech geziejen
Ennen Stien geschmessen fär
Die aas  ämgebroocht hoot

Ich möchte unsere Sprache wieder
haben sie lebt sehr nah und
sie ist gut

Ech möcht aas Sprooch wedder
Hun se liewt siehr noh und
Se äs gaat

Denn diese hier sie trennt uns nur
wie könnt ich dir in diesen fremden Zeichen
in ungesprochenen Lauten
etwas sagen
was hier in dieser Sprache eines fremden Landes
nicht sein darf wie zu Haus.

Denn des hä se trennt aas nor
Wä kehnt ech dir än desen fremden Ziechen
Än agesprochenen Lokten
Noch äst sohn
Wat hä än deser Sproch ennes fremden Laondes
Net senj terf wä Derhiem.

Vielleicht ist es zu einfach
wenn ich dir “Feste” sage sãrbãtori
und dragãdragã
liegt so tief am Grund.
Es liegt am Boden
was ich fühlen kann.


Viellecht äs et ze iifaoch
Wonn ech dir „Feste“ sohn uch sãrbãtori
Uch dragãdragã
Se Laoun si deff äm Greangt
Und laoun um Badden
Wat ech fählen kaon.


1968. Aus Reise
1968. Aus Ries

Was habt ihr mit meinen Augen gemacht.
Sie gehen nicht über, sie finden mich kaum,
sie liegen im Eis im verdunkelten Raum,
lacht, lacht, - was
habt ihr mit meinen Augen gemacht..

Watt hutt ir mät menjen Uchgen gemaocht
Se gohn net iwer, se fangden mech komm,
se laun äm Eis äm verdankelten Romm,
laocht, laocht, - watt
hutt er mät menjen Uchgen gemaocht
*

Du sagest mir,
ein Haus sei keine  Rose,
und auf dem Dachfirst ginge Jeder
über dich hinweg.
Du sahest keine Ringe, nichts
vor lauter blinden Augen
und Abaelard
sei wieder  einmal tot.

Tea hast mir gesoht,
det Hauos wer nichen Ries,
und af dem Daochfirst wird e jeder
iwer dech ewechgohn.
Tea werst nichen Ranj sähn, näst
Vur lokter blainden Uchgen
Und Abaelard
Wer wedder iimol diet.



Das weiße Brautkleid schien -
auf deinem Bett zu liegen.
Da wars ein alter Schirm
und dann ein Totenhemd.

Det weiss Broktklied schien –
Af denjem Bääd ze lauoen,
dro wor et en alt Reenescherm
und dron en Diedenhemd

*

Wir sind uns selbst entlaufen
an der Hand
nicht mehr.
Abwesend geht ein Mund am anderen auf
wenn nachts ein halber Atem
rückkehrt – zeitlos

Mir senj aas sälwst entluufen
Un der Haond
Nemmie.
Ofwiesend  gieht en Mell um anderen af
Wonn Nochts en halw Oodem
Zeräckkitt - zegtlies
                II
Im Schatten vom Mittelmeer, Schwester
Äm Schaden vum Mättelmier, Säster
Schwester, du
 ich weiß nicht, was die Fernen sind
in uns,
wir gehen den Anfang ganz hinauf
bis sich der Mund am Ende zeigt
Hinabgesang
der weiß wie Nichts den Kopf umsäumt

Säster, tea
Ech wiess net watt de Fernen senj
Än aas,
Mir gohn den Ufang ganz aoffen
Bäs sich det Mell um Anjd doch ziecht
Owengesang
Die wieß wä Näst det Hiewt  ämsemt

Hale hi Ja
ist Trauer dir nah
und lach nicht über dein Verweilen
hier
außerhalb vom Mittelmeer
am Strand.

Hale hi chah
Äs Trauer dir noh
Und lach net iwer denj Verwellen
Außerhalw vum Mättelmier
Um Strand-


Wie Wind mir heut
 den Mund verbrennt.
Halleluja
die Trauer ist hier
nah.

Wä Wänjt mir hekt
Det Mell verbräht
Halleluja
De Troauer äs hä
Noh.

HIER, wo wir zu sein haben,
vorgeben zu sein,
dass wir da sind,
du ohne mich,
ich ohne dich
die Hand aufgetischt und gehst dann
mit leeren Händen
das Leben hinunter
mit mir.

Hä, wo mer ze senj hun,
ugin datt mer hä senj
tea ohne mech
ech ohnen dech
de Haand afgedäscht und giest dron
mät lädijen Haonjden
det Liewen erof
mät mir.


FREMDWORT, unvergesslich I
(Plagiat, Du hattest beinah  schon gelebt)
Das ist
hier zu behalten:

Fremdwurt, avergesslich
(Plagiat, tea hast faost  schien geliewt)
Daat äs
Hä ze behaolden:

Ein Wort darf nicht vergessen werden.
Ai nimănui -
und dir die Waffen halten,
wenn du vergisst,
wo sich Gedächtnis
über seinem Sehn behält,
Und so sein Wort hält.


En Wurt terf net vergeessen werden:
Ai nimănui -
Und dir de Waoffen halden,
wonn tea vergässt,
wo sech Gedaachtnes
iwer senjem Sähn behält
und esi senj Wurt  hält.


FREMDWORT, unvergesslich II

Tu ce zici was sagst du Jetzt?
Zu sagen wär es
hast dir die Worte einsam
vorgesagt zu Haus
im Fremdwort.

Fremdwurt, avergeesslich II
Tu ce zici, watt sost tea nah?
Ze sohn wer et
Host der de Wierter iinsem
Vurgesoht Derhiem
Äm Fermdwurt.

Sind fremd wie aus der Mongolei
und doch zu Hause
vor lauter Fremde / freute sich die Silbe
nur an die Wand gesprochen
hallt es
gibt dich für eine Weile
wieder frei.

Senj fremd wie aus der Mongolau
Und doch dehiem
Vur lokter Fremd/ fraut sech de Silw
Nur un de Waond gesproochen
Haollt et
Gäw dech vur en Wellchen
Wedder froa.
*
Nur wenn die Schwäche uns die Haut abzieht,
und wenn wir müde sind
vor lauter Heute (das sich an diese Stunden
Uhr verkauft).
Sind wir mitunter auf der hellen Treppe
Mit uns aufwärts
Bis unsere Füße wieder auf die Steine fallen.

Nor wonn de Schwäch aas de Hokt owzecht,
und wonn mer määt senj
vuur lokter Hekt (dat sech un des Steangden
Uhr verkieft).
Senj mer mätangder af der hällen Trääp
Mät aas afwärts
Bäs daut aas Fess wedder af de Stien faollen.
*
An dich hält
und an mich wenn wir vergehn im Tageslaut
der Dinge
wie sie schelten.

Un dech hält
Und un mech wonn mir vergohn äm Dachesluuf
Der Daonj
Wä se mech auspietzen.

Es ist ein Lied
und das heißt
nimănui
es lässt sich niemals halten
oder hierher bringen.
Es springt hinauf bis an den letzten Schlag
wo es zur Zeit Hulube trägt
die  Noahs Arche immer noch
erwartet.

Et äs en Lied
Und daot hiesst
nimănui
et lest sech näckest haolden
oder här branjen aoffen bäs un den leetzten Schlaoch
wo et zer Zekt Hulube drieht
dä Noahs Arche ängden noch
erwort.


Und wir mit ihr ein Rückwärts kaum
Gerbsäure deiner Eichwald Rinde
vergangene Tage / langsam nun
am Horizont verschwinden
und wie -
wir hatten einmal
beinah schon gelebt.

Und mir mät är en Räckwärts komm
Gerwseier denjer Iichbäsch Roainjd
Vergaongen Daach/ laonzem  na
Um Horizont verschwoanjden
Uch wä –
Mir hadden bänoh schien geliewd.
*


Notiz

Es darf nicht genau gesagt sein,
was war
sobald sie  zur Hand genommen
verwelken die Bilder der Dinge

Notiz

Et terf net genah gesoht senj,
wat woor
sibaold se zer Haond genuun
verwielken de Belder der Daonj

Ausnahmen gibt es:
dein kleines Schamhaar
bittet.
Ich nehme Notiz vom Bild
das sich  noch immer in dir bewegt
und mich bittet.

Ausnohmen git et:
Denj klien Schomhoor
Bit.
Ech nien Notiz vum Beld
Daat sech noch änjden än dir bewiecht
Und mech bit.


Für M.C.
Fier M.C.
Von niemandem war die Rede
von dir
und die Rede sie ging bergauf
bis zur Talsohle ging sie
schnitt sich ins eigene Fleisch
Dissonanzen wíe Messer – und du

Vun nemesten wor de Ried
Vun dir
Und de Ried se geng berjaf
Bäs zer Tolsiel  geng se
Schnegt sech änt iijen Fliesch
Dissonaonzen wä Meesser – und tea.

Wo finde ich dich / so sprachlos gemacht
wieder im Grund ohne Ihn
gottlos gemacht ein Versagen der Zeit
Ich laufe ihr nach ohne Gründe

Wo fanjden ech dech/ esi sprochliess  gemaocht
Wedder äm Greangt ohnnen än
Gottliess gemaocht en  Versochjer der Zegt
Ech luffen er noh ohne Greangt

Da drüben stehst du
ein Antigedicht in der Helle
die Worte sie spielen sich auf ohne Grund
und stoppen verzweifelt und heilig verpufft
Gottvater im Raketenboot / nur zu Gast
                               hier auf die menschliche Schnelle.
Doo dertif stiehst tea
En Antigedicht äm Hällen
De Wierter se spillen sech af ohne Grjeangt
Und stoppen verzweifelt und hellich verpufft
Gottvoother äm Raketenboot/ nor ze Gaost
                                               Hä af de menschlich Schneell





Messer, rostfrei
Es lässt sich nicht ausmachen
was in uns eingeht
denn die Silbenstränge beginnen zu rosten

Meesser, roostfroa
Et leesst sich net ausmaochen
Watt än aas ägieht
Denn de Silwentranj fehn un ze roosten


Du hast dich abgesetzt und
ich trage zu dir
trage  nur auf
trage den Kopf nicht mehr hoch
weil sich die Zeit verflüchtigt

Tea host dech owgesaatzt und
Ech drohn ze dir
Drohn nor af
Drohn det Hiewt nemmie hie
Well de Zegt sech verflichtijt

In mir in dir in uns
ging sie nicht mehr in Farben
die Klänge sind mutlos geworden
am Pop entlang
jauchzt nur die leere Trompete

Än mir än dir än aas
Geng se nemmie än Faorwen
De Klaonj senj maatliess gewoarden
Um Pop entlang
Jochzt nor de lädich Trompeet

zur Eile und
Heile mit Weile am Storchen
und Wehwut wie
Fall hobst fand und nur
nach außen die Messer
und Grossen Wägen
glänzen so rost
frei.

Zer Ell uch
Hiel mät Well zem Storchen
Uch Weehwut wä
Faoll Ieepest faond uch nor
No Außen de Meesser
Uch Griess Woogchen
Glänzen esi roost-
Froa.


Köln auf die Spitze getrieben
Sag wo treffen wir uns
ohne Punkt ohne Fest
weit
hergeholt

Köln af de Spätz gedriwen
Soh wo trefäon mer aas
Ohne Punkt ohne Fiest
Fär
Hiergehuult


Manche Wörter sind unbrauchbar
geworden (heißt es!)
alles was uns aussagen könnte
sagt Nichts
(so heißt es)

Munch Wierter senj abrochbor
Gewarden (hießt et!)
Aolles watt aas aussohn kehnt
Sooht nor Näst
(si hiesst et).

Wohin mit dm Blinken
dem dunkeln jener
Gewohnheit der Tiere und Sphären
wenn die Flugzeuge tot sind

Woor gohn mät dem Blänken
Der deanklen
Gewunnhiet der Gedärer uch der Spheren
Wonn de Flachzech diet senj

Wohin ohne Worte für uns
nur für sie
die gewissen Worte
die Fremdworte / reich
an Metalle geklebt
metallisch und müllreich
verschnürt in  Paperbacks reich an
Umweg ohne Einstieg
mühsam im Gleichgewicht
auf der Spitze des Kölner Doms
der einig freie Blick

Woor nor ohne Wierter fier aas
Nor fier säh
De gewäss Wiert
De Fremdwiert/ rech
Und Metaoll gekliewt
Metaollesch uch mästrech
Verschnärt än Paperbäcks rech un
Ämwiech ohne Äschtich
Mähsem äm Glechgewicht
ddddDer iinich froa Bläck

Balance ohne Seiltänzer
und ohne die weißen Tauben im Hirn
ohne Metaphern / im Sinn
nur die furchtbare Weite
der Revolution  und
die Unfähigkeit der Revolutionäre.

Ballanz ohne Sieldintzer
Uch ohne weiss Duwen äm Hern
Ohne Metaphern/ näm Sänn
Nor de furchtbor Wegt
Der Revolution uch
De Ääfäheget der Revoluzionär.


Wer stürzt sich jetzt noch
von der Spitze sie
abzubrechen zum Leben.

Wie stirzt sech nah noch
Vun der Spätz se
Owzebreechen zem Liewen.


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